Freitag, 5. Juni 2015

Tagesablauf eines Stoikers

Auf englischsprachigen Seiten über die Stoa wird immer wieder ein wiederkehrender, täglicher Ablauf von Meditation, morgendliche Vorausschau und abendliche Rückschau auf den Tag empfohlen.
Diese Idee ist nicht neu.
Sowohl in christlichen wie auch in Zen-buddhistischen Klöstern kennt man einen strikten, "stromlinienförmigen" Tagesablauf, in dem sich Meditation und körperliche Arbeit, Studium und Erholung, Gebet und Engagement in harmonischen Gleichgewicht finden.
Während ich noch nie etwas mit "Zeitmanagement" anfangen konnte (Aufgaben festlegen, Prioritäten setzen, Zeit schätzen, Puffer planen....*ächz*), fand ich die Idee eines täglichen "Stundenplanes" immer sehr interessant und sinnvoll.
Er erlaubt mir, die Dinge die ich mir vornehme in der geplanten Zeit zu erledigen, ohne dass ich dabei durch Gedankenimpulse an andere anliegende Aufgaben oder die typischen Ablenker (Internet, Fernsehen) gestört werde. Der Plan fördert also die Konzentration auf den Augenblick, was sowohl im religiösen Kontext als auch in der Stoa eine hohe Wertschätzung genießt.

Ein Plan könnte z.B. so aussehen:


7:00  Wecker und Morgengebet/ - Vorausschau auf den Tag
7:15  Duschen  und Anziehen
7:30  Frühstück mit den Kindern
7:45  tägliche Aufräumrunde
9:00  Kinder in den Kindergarten
9:15  Meditation mit Bibellese/ Zazen etc.
10:00  Sport ODER Haushalt, Erledigungen etc.
11:45  „Mittagsgebet anschließend kleines Mittagessen, danach Siesta
14:00  Sport ODER Haushalt ODER Fachbücher/-zeitungen lesen
15:30  Kinder abholen und Zeit widmen
16:00  Kaffee oder Tee
18:00  Abendessen mit den Kindern, anschließend zu Bett-Ritual
19:30  Instrument üben
20:00  Abendgebet/ - Rückschau

Die einzelnen Bausteine müssen natürlich bei Berufstätigen um den Dienst herum gebaut werden.
Jetzt aber kommt der eigentliche Clou: 
Der Plan funktioniert natürlich nicht. Es wird keinen Tag geben, an dem man ihn so einhalten kann wie man ihn aufgeschrieben hat. Und das ist auch klar: Es gibt keinen Platz für Unvorhergesehenes, Besuche, Termine, Unternehmungen. Es kann auch sein, dass man einfach mal länger schlafen möchte, oder mit seiner Liebsten einen Sauna-Tag macht.
Wozu dann der Plan?
Immer wenn leere, unstrukturierte Zeit vor mir liegt, oder ich zu mir komme und mir klar wird was für ein Leben ich eigentlich führen möchte und wo meine Prioritäten liegen, zeigt mir der Plan was nun an der Reihe ist. (frei zitiert hieraus)
Er gibt mir Struktur und Gerüst, aber er ist mein Diener und nicht mein Sklaventreiber. Wenn man es schafft diesen Grat einzuhalten, ist so ein "klösterlicher" Tagesablauf ein mächtiges Instrument seine Zeit zu "managen".




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